Stiftung Rechnen: Presse

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Interview Katja Biermann

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Im Experteninterview, das im Stiftung Rechnen Newsletter erscheint, berichten Matheexperten aus erster Hand über aktuelle Themen rund ums Rechnen.

 

Ausgabe 03/2011


Katja Biermann ist Koordinatorin des Schülerlabors „MathExperience“ am Matheon. Stiftung Rechnen hat gefragt, wie das Matheon Schülern Spaß am Rechnen vermitteln will, was sie persönlich an der Mathematik fasziniert und ob schon immer klar war, dass Mathematik im Zentrum ihrer beruflichen Tätigkeit stehen würde.


Was fasziniert Sie an der Mathematik? Beschreiben Sie uns bitte Ihre erste Begegnung mit Zahlen.
Mathematik ist unglaublich vielseitig und doch sehr klar und strukturiert. Ich kann mich erinnern, dass mein Lieblingsspielzeug als Kind ein Maßband war, welches auf Knopfdruck wieder einrollt. Ich habe damit alle möglichen Dinge und Einrichtungsgegenstände in der Wohnung ausgemessen und miteinander verglichen.

In drei Sätzen: Was genau verbirgt sich hinter dem Namen „Matheon“?

Natürlich steckt da das Wort Mathe drin. Vollständig heißt der Name: DFG-Forschungszentrum Matheon – Mathematik für Schlüsseltechnologien – Modellierung, Simulation und Optimierung realer Prozesse. Das Matheon ist vergleichbar mit den Exzellenzclustern und ein Zusammenschluss der mathematischen Institute der Berliner Universitäten TU, FU und HU sowie dem Zuse-Institut und dem Weierstraß-Institut.

Auf welchen Gebieten ist das Matheon aktiv?

Der vollständige Name beschreibt schon ganz gut die drei großen Felder: Modellierung, Simulation und Optimierung. Dabei sind diese Felder in unterschiedlichen Anwendungsgebieten wie Lebenswissenschaften Visualisierung, Produktion oder neue Werkstoffe zu finden. Unter der Leitung international anerkannter Experten betreiben am Matheon etwa 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anwendungsgetriebene Grundlagenforschung. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft.
Zum Beispiel Lebenswissenschaften. Hier werden Medikamente im Computer entworfen oder Operationen virtuell im Rechner dargestellt. In anderen Gebieten arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Optimierung von Fahrplänen oder der Simulation von Schaltkreisen für neue Chiptechnologien. Schule und Öffentlichkeit bilden einen weiteren Fokus unserer Aktivitäten.

Sie sind Koordinatorin des Schülerlabors „MathExperience“. Was ist das?
MathExperience ist ein mathematisches Schülerlabor und so ziemlich einzigartig in Deutschland. Schülerinnen und Schüler können in verschiedensten Workshops erfahren, wie anwendungsnah Mathematik sein kann und wo sie sich im Alltag versteckt. Zudem sind sie selbst gefordert und probieren sich an kleinen mathematischen Experimenten. Wir wollen zeigen, dass Mathematik eine lebendige Wissenschaft ist und es sich lohnt, über den eigenen Schatten zu springen und einmal genauer hinzuschauen.

Mathematik ist fester Bestandteil Ihres beruflichen Alltags. War das zu Schulzeiten schon abzusehen?

Ja! In der 10. Klasse war für mich klar, dass ich Mathematik studieren möchte. Meine Lehrer haben mich diesbezüglich aber auch gut unterstützt. Dies ist leider nicht immer der Fall. Umso mehr müssen wir versuchen, mit unseren Veranstaltungen Spaß an Mathematik zu vermitteln.

Wie kann man sich eine solche Veranstaltung vorstellen? Sitzen alle beieinander und rechnen vor sich hin?
Nein, von Mathematikern gibt es viele Klischees, aber in den meisten Fällen treffen diese nicht zu. Wir versuchen Veranstaltungen zu schaffen, wo man miteinander Mathematik machen kann, sich darüber austauscht und auch noch viel Spaß dabei hat.
Ein ganz junges Projekt ist der MATHEathlON. Hier darf man zeigen, dass man es sowohl im Kopf als auch in den Beinen hat. Je nach Klassenstufe (2.-13.) werden 400 oder 800m gelaufen. Zwischendurch werden an 3 Stationen Matheaufgaben gelöst. Je mehr Aufgaben richtig sind, desto mehr Zeit wird von der gelaufenen Zeit abgezogen. Die beste Zeit gewinnt natürlich. Der Finallauf ist am 17.September in Berlin.
Schon etwas länger gibt es den Digitalen Adventskalender. Hier öffnen sich auch 2011 wieder 24 Türchen im Internet (www.mathekalender.de) voll mit spannender und weihnachtlicher Mathematik. Ein angeschlossenes Forum gibt die Möglichkeit zum Austausch.

Wir nehmen an, dass Ihr Herz in erster Linie für die Mathematik schlägt. Welches ist Ihre zweit¬größte Leidenschaft?
Ich tanze unglaublich gerne. Das fängt beim Wiener Walzer an und geht über Salsa bis zum Tango Argentino.  

Wo rechnen Sie im Alltag genau nach?
Ich rechne meist nicht genau nach, da ich schlecht im Kopfrechnen bin. In der Regel reicht mir ein Überschlag z.B. beim Einkaufen.

Wann haben Sie sich mal so richtig verrechnet?
Als ich im Ausland Geld abheben musste, habe ich mich um den Faktor 10 verrechnet und hatte somit viel zu viel Geld abgehoben.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Die Welt ohne Mathematik wäre …
… nicht vorstellbar.